Über die Rasse

Gúnya im Tierheim       Gúnya im neuen Zuhause

Wir möchten hier insbesondere auf die Eigenschaften von „Second-Hand-Mudis“ eingehen:
(ausführliche Rasse-Informationen auf mudi.de)

Zunächst einmal sind Mudis aus dem Tierschutz natürlich keine Aliens. Es sind Hunde, die unverschuldet in Notsituationen geraten sind und erst einmal „nur“ ein neues Zuhause suchen. Da Mudis von Natur aus sehr anhängliche Hunde sind, hat eine Trennung von seinen früheren Bezugspersonen oft zur Folge, daß sie sich in Zukunft verstärkt um die Gunst ihrer neuen Familie bemühen könnten. Übrigens unabhängig von ihrer Lebensgeschichte. Wenn ein Mudi in „muditauglichen“ Händen ist, möchte er seinen Menschen nicht wieder verlieren und ist stets bemüht zu gefallen.

Was bedeutet „muditauglich“?

Man sollte sich natürlich immer möglichst vorher umfassend über eine Rasse informieren und sich nicht ausschliesslich von einem ansprechenden Äußeren verleiten lassen. Allein schon um zu vermeiden, dass eines Tages die Überraschung kommt wie z.B.: „Oh, ich wußte nicht, dass Mudis so bellfreudig sein können“ oder „Ich hatte keine Ahnung, dass es Hütehunde sind!“

Mudis sind Multifunktions-Hunde, in erster Linie als Treibhund gezüchtet um bei der Viehhaltung zu helfen. Es gibt keine sogenannten „Show-“ und „Arbeits-Linien“ – dafür ist die Rasse zu jung und vor allem die Zucht in der Form, wie sie heute auch im Hinblick auf Hundesport besteht. Die meisten heute lebenden Mudis stammen mindestens von Großeltern ab, die in Ungarn auch noch hüten dürfen. Daher sollte es niemanden überraschen, dass so ziemlicher jeder Mudi einen deutlichen Arbeitseifer an den Tag legt – es sind Arbeitshunde, die auch beschäftigt werden wollen! Es sind keine Gesellschaftshunde, die den ganzen Tag im Körbchen liegen und sich mit 2-3 kurzen, stumpfsinnigen Spaziergängen zufrieden geben wollen! Darüber sollte man sich unbedingt vor einer Anschaffung bewußt sein!

Das heißt aber nicht, dass jeder Mudi unbedingt Hochleistungssport betreiben muß! Er möchte in erster Linie dabeisein, darüber hinaus auch gerne geistig und körperlich gefordert werden. Er ist ein hervorragender Suchhund, oftmals sehr für Agility, Obedience, Frisbee, Flyball etc. zu begeistern. Er hat einen erstaunlichen Schutztrieb und ist außerordentlich wachsam! Auch das sollte man bedenken – es steckt in jedem Mudi und jeder Mudi zeigt diese Eigenschaften mehr oder weniger stark!

Um diesem Hund gerecht zu werden, sollte man ihn nicht seiner Größe wegen als „Kinderspielzeug“ oder als netten „Beischmuck“ zu anderen Hunden anschaffen. Auch wenn Mudis erstmal niedlich aussehen mit ihren Locken, sind sie vollwertige, ernstzunehmende (Arbeits-)Hunde! Es ist uns übrigens nicht selten passiert, daß wir auf Hundeplätzen zunächst belächelt wurden und anschließend hat man gestaunt, was in so einem „kleinen“ Hund steckt!

Oft wird der Mudi gerade in der Hundesportwelt als Alternative zu Border Collies in Betracht gezogen. Nein! Mudis sind auf keinen Fall Border Collies im Lockenkleid! Es ist eine völlig andere Rasse mit völlig anderen Eigenschaften! Auch ähnelt er im Wesen nicht dem Sheltie!
-> Siehe dazu auch diesen interessanten Artikel von Polona Bonac <-

Nun zu den Tierschutz-Mudis im speziellen:

Nachdem 2006 in Sopron / Ungarn (siehe hier) viele Hunde zu trauriger „Berühmtheit“ in der Mudi-Welt kamen, wollen wir fairerweise zwischen 2 Richtungen bei Tierschutz-Mudis unterscheiden:
natürlich kann jeder Mudi „aus bester Familie“ durch irgendeinen Umstand zum Tierschutz-Hund werden, aber bisher sind in Tierheimen sitzende „Problem-Mudis“ in Deutschland erfreulicherweise eine Rarität und wir möchten natürlich, dass das so bleibt! Genau deshalb ist es so wichtig, dass man sich ausreichend über diese Rasse informiert! Es ist weder dem Hund noch seinem Menschen gedient, wenn man verzweifelt versucht, ihm das Bellen komplett abzugewöhnen oder ihn ruhig zu stellen, wenn er „zu temperamentvoll“ ist! Man könnte genauso gut versuchen, ein Rennpferd zum Rasenmäher im Schrebergärtchen umzukrempeln!

So kann z.B. sein, dass ein Tierschutzhund (wie viele unserer Sopron-Mudis):

  • anfangs nicht stubenrein ist
  • Angst vor Menschen hat
  • keine Spaziergänge kennt
  • sehr ängstlich, schreckhaft oder sogar panisch reagiert
  • keine Alltagsgeräusche gewohnt ist
  • noch nie im Auto gefahren ist
  • nicht spielen kann
  • monatelang, vielleicht niemals frei laufen darf
  • nie ein Hund für Agility o.ä. wird
  • frühzeitig mit „Altersbeschwerden“ (z.B. Arthrose) zu tun hat

Aber wenn man bereit ist, sich auf die Eigenschaften eines Mudis einzulassen, ihn akzeptiert und respektiert, wie er seiner Natur nach ist, seine positiven Eigenschaften fördert und ihm hilft, seine weniger liebsamen Eigenarten zu kontrollieren, hat man den besten Hund und Begleiter, den man sich nur wünschen kann!

Die Sopron-Mudis (die sogenannte „S-Klasse“) sind isoliert und unter schrecklichsten Umständen aufgewachsen: Ketten- und Zwingerhaltung der übelsten Art, Fehlernährung, Bewegungsmangel, extreme Umweltsozialisierungmängel, Inzucht, Krankheiten, Verwahrlosung und und und… Von über 200 Hunden sind ca. 80 Mudis und viele Mudi-Mischlinge zunächst auf ungarische Tierheime verteilt und später weitestgehend vermittelt worden.

Diese Hunde haben die denkbar schlechtesten Startbedingungen in ein Hundeleben gehabt und wir können heute mit Stolz sagen, dass sich die meisten der uns anvertrauten Hunde ganz enorm entwickelt haben! Sie waren anfangs teils panisch und wenn man vielen Lehrbüchern glaubt, dann war die Situation auf ein halbwegs normales Hundeleben absolut aussichtslos. Heute genießt ein Großteil von ihnen das Leben in vollen Zügen und viele von ihnen machen mit Begeisterung Hundesport!

Zu Tierschutz-Mudis mit egal welchem Lebenshintergrund läßt sich aus unserer Erfahrung sagen: es sind einfach erstaunliche Hunde! Sie sind voller Lebensfreude und Energie und grundsätzlich immer bereit, an der Seite ihrer Menschen die Welt zu erkunden, Unsicherheiten zu überwinden, Neues zu entdecken… um immer wieder über sich selbst hinauszuwachsen! Je nach Vergangenheit und Hundepersönlichkeit erfordert es unterschiedlich viel Zeit, immer Geduld und Verständnis, und es hilft enorm, wenn gerade solche Hunde wie aus Sopron einen sicheren, souveränen Hund als „Gehhilfe“ zur Seite haben. Das wirkt wie ein Dolmetscher, der hilft, zwischen den Welten zu vermitteln.
Trotzdem sollte man darauf gefaßt sein, dass der Weg zum halbwegs alltagstauglichen Hund manchmal viele Wochen, Monate oder gar einige Jahre dauernd kann! Das muß nicht sein, aber es ist wichtig zu wissen, dass es so sein könnte!

Es ist eine unbeschreibliche – wirklich nicht in Worte zu fassende – Erfahrung, einem Mudi, mit dem man quasi im Minus-Bereich anfängt, zu zeigen, wie wunderbar das Leben sein kann, zu erleben, wie Ängste besiegt werden, wie aus Panik Vertrauen, aus Flucht Neugier und aus Mißtrauen Liebe wird – und als Dankeschön bekommt man ein Herz geschenkt 😉

Ausführliche Rasse-Informationen auf mudi.de

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